12.10.2018

Spät abends in der DaDa-Ecke:
Käse auf dem Dach.
Käse in der Lampe.
Käse im Glas.
Käse in der Wand.
Käse in einem Brot.
Käse in einer Wanne.
Käse in einer Frau.
Eine Wäscheleine in einem Hund.
Käse in einem Schreibetisch.
Käse in einem Kopf.

21.09.2018

Bilder ohne Kamera:
Kurz vor sieben am Abend schneidet ein letzter Sonnentrahl von tief hinter dem Berg, unterhalb seines Gipfels, die Wolkendecke scharf und entlang eines unendlichen Linials gerade von den Wolken ab.

31.08.2018

Bilder ohne Kamera:
Neulich am Strand, weit weg von Salchendorf, etwas ganz und gar Unmögliches:
Hast du jemals versucht zur vollen Länge ausgestreckt, dabei beide Arme ebenfalls ausgestreckt und am Körper, auf der Seite zu liegen?
Da falle ich immer um.
Eben. Es geht aber, ich habe es gesehen.
Und wie?
Du brauchst so einen großen Bauch, dass er dich am Umfallen hindert.

26.07.2018

Aus der DaDa Ecke in die DaDa Ecke:

Kunst (3)
Du springst im Kreis und wirbelst dabei mit angewinkelten Armen.
„Guck mal, ich habe eine Kunst gemacht!“

…und später:
„Ich kann auch einen Looping!“
Und dein Kinn beschreibt einen Kreis in der Luft während dein Körper gleichzeitig auf und ab wippt.

04.07.2018

Die gute Nachricht des Tages:
Auf einen Baum geklettert.

Die bessere Nachricht des Tages:
Es war ein Kirschbaum.

Bilder ohne Kamera:
Im Abendlicht hocken auf der Weide das neugeborene Kalb und im Schneidersitz daneben die Tochter des Bauern. Aus der Ferne mögen sie sich unterhalten.

03.07.2018

Neulich in der DaDa Ecke:
Der Fuß hat sich in der tiefen, dunklen Hose verirrt. Er findet seinen Weg nicht.

Und später auf dem Spielplatz:
Der Himmel in deinen Augen
ist der Himmel über dem ersten Berlin
Neugeborene Augen blicken
in Baumkronen
Alles tanzt zum ersten Mal
Die Sonne, nicht die Sonne,
und Blattwerk
Berlin war ein Park
Zeit gab es nicht
noch hatten die Tage einen Namen
Aber es tanzt doch alles
und fällt in große,
nimmersatte Augen
Das bist Du
Das war mein Berlin

26.06.2018

Aus der DaDa Ecke in die DaDa Ecke:

Kunst(1)
Auf einem Foto in der Zeitung halten sich zwei Frauen, wie zu einem Wesen, eng umschlungen. Beine sind einige, Körper kaum und Gesichter gar nicht.
Was macht die denn da?

Ich glaube, die macht eine Kunst.
(Schmunzeln) Was ist denn eine Kunst?
Ähm… eine Kunst, das ist was Tolles… und was Lustiges.

Später auf dem Rad…

Kunst(2)
Was machen denn die Kühe da?
Äh… ich glaube, die machen etwas Gymnastik.
Dann heißt das, eine Kunst.

21.06.2018


Die längste Nacht des Jahres. In Salchendorf eröffnet das „Theater mit Ausblick“. Die erste Vorstellung fand noch ohne Vorhang aber unter tosendem Applaus statt. Alle 1249 Salchendorfer konnten das Stück von der armen Maus sehen. Da es schon spät war, belief sich die Vorstellung auf 42 Sekunden, dann war der Mäusejäger wieder verschwunden.

20.06.2018

Je später der Abend, desto gemeiner werden die Bäume. Steht die Sonne erst tief, beginnen sie, mit ihren langen Schatten ihre Artgenossen am anderen Ende der Wiese die Füße zu kitzeln, später sogar die Achselhöhlen. Und keiner kann wegrennen, bis die Sonne vor Lachen untergegangen ist.

17.06.2018


Ein berühmter Salchendorfer Ausspruch proklamiert einst: „Stromleitungen zu Wäscheleinen!“ Und tatsächlich wird man zu diesem Zwecke die in die Jahre gekommenen und untauglich gewordenen Leitungen belassen. Salchendorf zurück aus der Zukunft.

Ein Abend über meinem Salchendorf. Am Waldrand begegne ich Rehen, Schmetterlingen, Glühwürmchen, enormen Rindern mit enormen Hörnern, Fledermäusen, Katzen. Ich fürchte, ohne ihnen zu begegnen, Wölfe und Wildschweine.

Gesellig sind hier vor allem die Schmetterlinge. Kein Spaziergang ohne ihre Begleitung. Sie tänzeln fröhlich vor uns her, nicht um zu leiten, einzig um der Freude des Publikums willen.

10.03.2018

Die gute Nachricht des Tages: Es gibt hier eine Zeit während der die Stadt nicht den Autos gehört.

Morgens, bis kurz vor Sonnenaufgang, trällern die Spatzen von den Dächern, und scheinen genau zu wissen, dass die nackten Fassaden der Häuser auch ihren Gesang reflektieren. Diese Stunde gehört ihnen, kein Autofahrer ist so früh auf den Rädern und der Kluge öffnet sein Fenster, legt sich zurück ins Bett und lauscht bis zum Tagesanbruch.

Dada(ist noch was):
Durch jahrelanges Meditieren hat Totò schon im 13. Jahrhundert die Sprache der Spatzen erlernt. Er weiß, dass sie den lieben langen Tag trällern, sich eigentlich aber durch Herumhüpfen miteinander verständigen und folglich des Morgens viel Schwatzen ohne eigentlich etwas sagen zu wollen. Gut, um sich wieder ins Bett zu legen.

25.01.2018


17:34 Uhr, der Himmel ist sichtbar. Klar. Blau.
Früher Frühling umweht den kargen Lockenbaum.
Du liegst unter ihm, in der Kopfschaukel.
Feine Härchen, schwarz vor blau. Die alten knochig,
die jungen kraus.
Warm ist es,
wie das weiche Frühlingshaar
zwischen des Winters Schenkeln.

Miau, Miau, Miau
Frau, Frau, Frau

Und aus der DaDa Ecke rufst du:
Ich esse ausm da in den da!

14.11.2017

Ich wünschte ich könnte im Schlaf schreiben anstatt zu träumen.

Wenn ich nicht schlafen müsste, würde ich Briefe schreiben?
An wen?
Zuerst an meine Familie und dann an alle Armen und dann an alle Reichen.
Und was würdest du dann schreiben?
Zuerst davon wie unser Tag war, was wir gemacht haben.
Wäre das nicht furchtbar langweilig?
Oh nein, ich übe es spannend zu erzählen.
Und was schreibst du den Armen?
Das Gleiche.
Und den Reichen?
Auch das Gleiche.
Warum?
Weil die Armen nicht tun können was wir tun und die Reichen auch nicht, es müsste furchtbar spannend für sie sein.
Was hast du heute gemacht?
Zum zweiten Mal einen Fahrradreifen repariert. Der erste Flicken hat nicht gehalten. Und dann haben mein zweijähriger Sohn und ich vulkanisiert. Als alle anderen zweijährigen schon schliefen, nahmen wir unseren ganzen Mut zusammen und holten den Vulkan aus der Schachtel.
Und?
Er stank ganz fürchterlich.
Und weiter?
Wir ließen die Stinkelava auf den Schlauch fließen.
Ist er nicht verbrannt?
Es ist Speziallava, die sich mit dem Gummi des Schlauchs vereinigt und dann…
Und dann?
Dann klebt man ihm eine!
Wem?
Dem Loch. Einen großen Flicken mitten drauf. Bäm!
Und dann?
Hat mein Sohn gepumpt. Wie ein Weltmeister. Der Schlauch schwoll an und wir hatten beide Angst, dass er platzen würde so fest wie er pumpte.
Ist er stark?
Heute morgen hat er den Stuhl seiner Mutter weggezogen, während sie drauf saß.
Und ist er geplatzt?
Das weiß ich nicht.
Wieso?
Wir haben Feierabend gemacht. Es war schon spät.
Und der Reifen?
Den pumpen wir morgen zu Ende auf.
Und der Vulkan?
Hat doch einen Flicken drauf.
Ach so… Und dein Sohn?
Schläft jetzt endlich.
Und du?
Ich träume jetzt vom Briefeschreiben.

06.11.2017

In der DaDa-Ecke:
(Manche Dinge muss man sich laut vorlesen)

Das ist Kurkuma.
Das ist Thymian.
Das ist Brot.
Das ist Butter.
Das ist Avocado.
Das ist Kurkuma.
Das ist Kümmel.
Das ist Kurkuma.
Kurkuma!
Kurkuma!

03.11.2017

Jeden Tag was anders machen.
Zum Beispiel?
Heute bin ich zuerst mit dem linken Fuß aufgestanden.
Und, fühlst du dich jetzt anders?
Nein, es war schwerer, weil links vom Bett die Wand ist. Ich musste mich auf den Bauch drehen und rückwärts aufstehen.
Aha.

Ich wünschte ich könnte mich nachts reden hören.

Die gute Nachricht des Tages:
Man kann Fehler korrigieren.

Das habt ihr gar nicht gemerkt. Als keiner hinsah, habe ich einen ganzen Satz umgestellt. Das war am 25. September. Er ist jetzt viel besser.

24.10.2017

Jeden Tag heiße ich willkommen.
Guten Tag, Willkommen.
Häh?
Na, so heißt du doch jeden Tag.
Nein, ich heiße jeden Tag willkommen.
Achso! Guten Tag, Jeden Tag willkommen!

Das funktioniert gar nicht. Man könnte gar nicht jeden Tag ein Wort aufschreiben. Dabei gibt es jeden Tag ein neues Wort. Zum Beispiel:
Käsemauken.
Nein!
Doch!
Einfach so?
Einfach so. Käsemauken!
Oder: Tannenzapfen.
Tannenzapfen. Wie sehen die denn aus?
Zum Beispiel so:

Wort des Tages: Granatapfel.

Wie sieht ein Granatapfel innen aus?
Wie viele Kerne hat er?
Wenn man die Kerne des Granatapfels unter Wasser rauspuhlt, bekommt man keine Spritzer ab.

Wort des Tages: Puhlen.

Wort des Tages: Stolz.

Ich weiß nicht. Ist aber kein sehr schönes Wort.
Aber ich bin so stolz auf dich.
Warum denn?
Weil du tapfer bist.
Aha?
Sag mal Granatapfel.
Gra…
Weil du Käsemauken sagen kannst. Weil du lachen kannst. Weil du ‚ja‘ sagst. Weil du mich zum Lachen bringst.
Wie denn?
Käsemauken zum Beispiel.
Weil du viel mehr kannst als du weißt.
Was denn?
Mach mal.
Was denn?
Handstand.
Warum denn?
Damit deine Organe auch mal in die andere Richtung hängen.

18.10.2017

Kann ein Tag stolz sein? Es war aber ein stolzer Tag.
Heute geschafft: über eine schmale Mauer balanciert, ein Fuß vor den anderen, über die Löcher in der Brüstung hinweg. Den steilen Hang hinauf geklettert, den ganzen Berg, bis ganz nach oben. Wieder runter gerutscht. Schnell! Ganz allein!
Du hast dich erinnert.

15.10.2017

Bilder ohne Kamera:
Weiter unten auf der Straße stehen zwei kopflose Männer über einem Loch. Ihre Oberkörper lehnen über einem Bauzaun. Zu sehen gibt es nichts, außer Erde, einige Rohre und vielleicht noch etwas, das nur sie erkennen. Ihre Neugier jedenfalls wird nur vom Bauzaun gehalten, ohne den sie längst drinnen lägen.

Die gute Nachricht des Tages: Es wird Herbst.

Die gute Nachricht des Tages: Rot und Braun und Grün und Gelb.

(Da)da vorne in der Ecke:
Ein Wolf. Ein Wolf. Ein Wolf. Ein Wolf. Ein Wolf. Ein Wolf. Ein Wolf. Ein Wolf.
Ja, ein Wolf.
Baum.
Baum.
Baum.
Baum.
Baum.
Ein Baum?
Pieselt! Pieselt!
Der Wolf pieselt an den Baum?
Da vorne!
Wo?
Wald! Wald! Wald. Wald. Wald. Wald. Wald.
Der Wolf pieselt da vorne im Wald an den Baum?
Steckt. Steckt. Steckt. Da vorne. Wald.
Der Wolf versteckt sich im Wald?
Da vorne!
Aha.
Pieselt! Weg!
Ist weg?
Hm!

05.10.2017

Die gute Nachricht des Tages: Es hat geschmeckt.

Jetzt, im Herbst, kommen die Löwen. Schon von Weitem raschelt es im Gebüsch, bewegen sich die Blätter größer als üblich. Dann schwanken Zweige, Äste und die kleinen unter den Bäumen scheinen nachzugeben. Das Ungetüm kommt näher. Sie weichen nach links, nach rechts, die Schwachen krachen im Getöse der Blätter. Rot und Gelb und Grün, fliegt es auf dich zu, die Augen fürchten sich, da kommt er! Mit Fauchen und schnell jetzt, kein Baum bleibt aufrecht, kein Blatt an seinem Platze, er fegt alles hinweg in seiner Rage. Nur noch den Arm schützend vors Gesicht, den Kopf eingezogen, mehr schaffst du nicht. Blätter, Zweige, peitschen auf dich ein, ein wildes Rauschen, eine Sekunde lang bist du mittendrin. Lebst du noch? Hat er dich fortgerissen zwischen seinen Klauen oder Zähnen? Dann wird es still um dich herum. Die letzten Blätter rieseln zu Boden. Wer überlebt hat, richtet sich auf, der Löwe, er hat euch nur passiert, gar nicht wahrgenommen. Da vorne! Da wütet er die Berge hinauf und um die Ecken. In der Ferne verneigen sich jetzt die stärksten Bäume vor dem König. Hinter ihm ziehen die Blätter einsam ihre Kreise über die Erde. Alles hält noch einen Herzschlag den Atem an. Das ist alles was er den Überlebenden zurücklässt: Ehrfurcht.

04.10.2017

Wie viele Tage sind eigentlich vergangen? Müsste diese Geschichte nicht eigentlich „Jeden zweiten Tag“ oder „Jede Woche“ heißen? Oder „Wenn ich halt mal Zeit hab?“

Hast du Zeit?
Jetzt?
Ja.
Nein.
Wieso nicht?
Ich muss einkaufen.
Jetzt?
Ja.
Unbedingt?
Nein.
Warum hast du dann jetzt keine Zeit?
Weil ich einkaufen gehen will.
Und wenn du es später tun würdest?
Das könnte ich.
Und dann?

Eine Liste:
Jeden Tag
ein Kuss
ein Lächeln
zehn Minuten auf dem Kopf stehen
ein Apfel
ein Bild
ein Hallo
ein Mond
die Sterne
der Himmel
ein Spaziergang
ein Land
eine Geschichte
eine Erinnerung
ein Satz
ein Wort
Ich weiß nix mehr.
Für alles Gutes gibt’s was Schlechtes. Und umgekehrt. Was gibt’s heute Gutes?

Die gute Nachricht des Tages: Ich habe gekocht.

Die gute Nachricht des Tages: Es hat geschmeckt.

Die gute Nachricht des Tages: Ich habe zuerst eine Entscheidung getroffen.

Die gute Nachricht des Tages: Wir haben uns gehört.

Frage des Tages: Was hast du gehört?

Neulich hatte ich einen Pullover zwischen Vorhang und Fenster aufgehängt. Wenn das Licht der vorbeifahrenden Autos hereinschien, war ich nicht mehr allein.

Frage der Woche: Kann man mit einer Holzlokomotive verreisen?

26.09.2017

Die gute Nachricht heute: Als nichts mehr voran ging, ließ ich die Arbeit liegen.

Und draußen gab es Kastanien, jede Menge Kastanien um diese Jahreszeit. Kastanien sind schön, so schön, dass ich nicht einmal eine zeichnen könnte.

Aufgabe für heute: Schickt mir eine Zeichnung von einer Kastanie.

Und dann wurde alles besser, an Kastanien kann kaum etwas verkehrt sein.

Wir haben eine mit nach Hause genommen. Ich behauptete, ohne es genau zu wissen, sie würde sich ganz von selbst öffnen, wenn wir sie nur auf unseren Tisch legten und nichts täten außer von Zeit zu Zeit nach ihr zu sehen. Es war nicht leicht dich davon abzuhalten ihre Schale zu öffnen, zu verlockend war der bereits sichtbare Schlitz. Aber tatsächlich, nur zwei Tage später atmete ich auf.

„Ooooooohhhhh!“

Dein ganzes Gesicht ist ein großes ‚O‘.
Du hast das ‚O‘ erfunden.

25.09.2017

Ich habe gewählt. Es hat nicht geholfen.
Warum?
Weiß nicht.
Hast du falsch angekreuzt?
Ich glaube nicht.
Was ist dann passiert?
Die Falschen haben zu viele Stimmen bekommen.
Und jetzt?
Hoffe ich, dass es den Richtigen eine Lehre ist.
Und was ist deine Lehre?


Ich bin nicht sicher. Vielleicht, dass ich jeden Tag ein richtiges Kreuz machen muss.
Wie meinst du das?
Beim Überdiestraßegehen. Beim Helfen, wenn die Mutter ihr Neugeborenes absetzen muss, um ihrer großen Tochter hinterher zu rennen bevor sie die Straße erreicht. Beim Türaufhalten. Beim Kochen, Essen, Einkaufen oder nicht, beim Arbeiten, Reisen.
Und dann?
Davon erzählen.
Und dann?
Noch mehr erzählen.
Und dann?
Zuhören.
Und dann?
Machen, reden, hoffen.

Manchmal muss man einen Kopfstand machen.

„Lebe das Lieben“, hat jemand an die Wand geschrieben.

Und in der DaDa-Ecke fragst du:
Was ist das?

So ist Kopf an Kopf.

Meine Mutter kannte mal einen, der jeden Tag zehn Minuten auf dem Kopf stand, weil seine Organe ja schon den ganzen Rest des Tages in die andere Richtung gedrückt wurden.

Die gute Nachricht des Tages: Für Jeden gibt es etwas zu tun.

23.09.2017

Die gute Nachricht heute: Du hast Geburtstag.

Der Mond ist eine gelbe Sichel über den Dächern der Stadt.

Die gesamte Straße ist eine Baustelle. Nachts, wenn die Maschinen ruhen, kann man ganz allein hindurch gehen und neben dir, vor dir, hinter dir, überall blinkt es wie auf dem Rummel.

Heute Mittag plätschert es zum Fenster herein. Ein Bach fließt durch unsere Straße, mag man denken. Doch tatsächlich! Von der Baustelle hat er bereits Steine und Sand auf die Straße gespült. Die Leute im Café bemerken gar nicht, dass sie bald nasse Füße bekommen, nur zwei Polizisten kontrollieren das Bauloch. Was sie wohl tun würden?
Unter dem Fenster lässt es sich gut dem Bächlein lauschen, bringt es Grün und Gelb und Weiß.

Die gute Nachricht letztlich: Du hast viereinhalb Stunden am Stück geschlafen. Und dann noch einmal dreieinhalb.
Fast ein neues Leben.

Nächstes Jahr: Spaziergänge durch das Siegerland. Lesen Sie an dieser Stelle von unserem waghalsigen Versuch in der zweitregenreichsten Region Deutschlands nicht nur Fuß zu fassen, sondern etwas glückliches Leben hinein zu bringen.

Gestern: Nachricht des Tages: Eine alte Schallplatte aufgelegt. Ganz vergessen; immer noch weiß ich warum ich sie habe.

Schon fünf Tage vergangen. Wo sind Sie Herr Zeit? Oder Frau Zeit? Pinkeln Sie im Stehen? An was erinnerst du dich? Was hast du gemacht?
Keine Ahnung, und du?

Ha, ha, Halt! Herr!… Frau… Monsieur Zeit, temps, tempo! Bleiben Sie doch mal, warten Sie doch, wenigstens können Sie sich einmal umdrehen?! Ich will Ihnen ins Gesicht blicken.
Ich halte schon die ganze Zeit den Arm raus. Können Sie mich mitnehmen?

Aber in dieser Stadt wachsen keine Bäume zwischen den Häusern. Das ist so, damit sie die Reflektionen des Schalls von den Häuserfassaden nicht stören.

Dada(da)
BrrrrmmmmmM!
Bll Bll Bltflllmm!
Brööööhh!
Brlllöööh!
Drrrreäh!
Drrrrröööh!
Pfffhhh…

Die gute Nachricht heute: Eine Frau fährt auf dem Gepäckträger eines Mannes mit. Beide kurz vor ihrem dritten Frühling. Oder bereits mitten drin?

Ein Fahrrad klappert die ruhige Straße entlang. Die Baulichter blinken ihm Geleit.

18.09.2017

Gleich um die Ecke wächst ein Baum zwischen den Häusern. Nächstes Jahr wächst er über sie hinaus.

Vögel zeichnen ist einfach, den größten hat Onkel Micha, sagst Du.

Du hast nichts gesehen von Berlin.
Ich sehe jeden Tag was von Berlin.
Was hast du denn heute gesehen?

Dada(da)
Bllllllllll
Hiuch!
Hahhar!
High!
Pfffssssst
Aaaaaar.
Hcheh, klp klp klp klp
Mmmhr mmmhr…
Klp klp klp.
Hahiah hi ha!
Du gefällst mir!

Es gibt doch jeden Tag was zu erzählen.
Und wenn nicht?
Denke ich mir was aus: Jeden Tag!
Ja?
Was wäre, wenn man so hieße?
Wie?
Na, Jeden Tag.
So wie ich?
Ja, genau.
Was ist dann?
Na, das frage ich dich.
Was?
Was ist jeden Tag?
Keine Ahnung. Sonne. Zum Glück ist nicht jeden Tag Montag.
Nein, was ist mit dir?
Was soll mit mir sein?
Das frage ich dich, Jeden Tag.
Du fragst mich nicht jeden Tag.
Ich frage dich jetzt.
Was?
Was mit dir ist.
Nichts. Was soll mit mir sein? Hab ich was zwischen den Zähnen?
Keine Ahnung. Soll ich nachsehen?
Nein!
Warum bist du so entrüstet?
Das bin ich jeden Tag.
Aha!
(da) Dada
_______________Wo?!
Eben, über dem Zug, ein Schwarm Stare.
Ist es schon an der Zeit?
Über Stare kann ich dir was erzählen. Die fliegen in Schwärmen, manchmal riesige Schwärme, tausende Tiere. Und irgendwie schaffen sie es, nicht gegeneinander zu stoßen, sondern in Formen und Mustern zu fliegen. Jetzt, vor dem Abendhimmel, bewegen sich die schwarzen Punkte wie, wie Dada-Theorie vor Blau bis Rosa. Ist ganz schön anzusehen. Keine Ahnung, ob die stahren, starren, erstarren sicher nicht.

Ich heiße jeden Tag willkommen.
Ich auch.
Ist nicht wahr!
Und du?
Freitag.

Das ist doch alles viel zu verrückt! Ich war heute in Berlin.
Im Zug kann man prima schreiben, die Gedanken fliegen vorbei, wie im Schlaraffenland, und man braucht nur zuzugreifen. Im flachen Land leben andere Gedanken als in den Bergen.
Wenn man Berlin verlässt, egal in welche Richtung, kreuzt man ein Land so weit und flach, dass es unter dem Meer liegen könnte. Bei Hochwasser schaut nur der Zug raus und die Vögel auf den Strommasten. Baumwipfel gibt es noch, aber ohne Schnee. Der Rest wäre der Himmel auf dem Kopf. Hier wäre man dem Himmel näher als auf einem Berg.
___________Zack, geschnappt!
Die Sonne war schon am Morgen zu sehen, ihr Licht über den Dächern der Stadt. Die Backsteine der Schornsteine müssen in der Lage sein ihr rotes Licht zu speichern. Es ist schön, wenn man so willkommen geheißen wird. Trinken wir einen Tee. Du zeigst mir einen Baum. Nächstes Jahr wächst er dir über den Kopf. Wir gehen ein Stück zusammen. Immer wenn ich stehen bleibe, gucken die Leute wie ich gucke. Heute macht mir das nichts aus. Ich habe einen schönen Mantel. Meine Haare, die die ich noch habe, legen sich freundlicher Weise vorteilhaft. Vielleicht bin ich ein komischer Vogel, jedenfalls würde ich gerne einen sehen.

Der Speiseplan des Zugpassagiers vor mir: Apfelschnitze, eine Nektarine, eine Feige, mehr Apfelschnitze.
Ich habe auch noch einen Apfel in der Tasche.

Die gute Nachricht heute: Ich fahre heim!